SimCity: Review – Kleingewachsene Metropolen mit zu modernen Zeitgeist

SimCity, dieses Spiel stand schon immer für Kreativität, Umgang mit Finanzen und natürlich absolute Perfektion im Städtebau. Nachdem SimCity Societies aber so gar nicht bei den Fans ankam, sehnte man sich wieder nach einem Ableger, welcher die guten alten Tugenden hervorbringt. Mit der Neuauflage möchte EA genau das bewerkstelligen, warum das aber nur in Maße gelungen ist, klärt unser Test.

Titel: Sim City
Plattform: PC
Entwickler: Maxis
Publisher: Electronic Arts
Genre: Aufbausimulation
USK/PEGI:
Spieler: Offline / Online
Release: 07.03.2013

Alles beim alten und doch völlig anders

Eines gleich vorweg, der Test berücksichtigt nicht die Serverprobleme die während des Launches auftraten. Auch uns erwischte der limitierte Zugriff mehr als nur einmal und hinderte uns somit beim testen. Dennoch haben die Online-Schwierigkeiten nichts mit der Qualität des Spiels an sich zu tun, weswegen nur das Gespielte in unsere Wertung fließt.

Der Neustart von SimCity spielt sich wie seine alten guten Kollegen. Die Farben Grün, Blau und Gelb – also das anlegen von Wohngebiet, Gewerbegebiet und Industriegebiet sind essenziell wichtig für den Erfolg. Eine Kampagne geschweige denn Story gibt es freilich nicht, hätte dem Spiel aber gut getan, dazu gleich mehr. Ihr errichtet nachdem rudimentären Tutorial eure Stadt ausschließlich im freien Spiel. Vorher sollte man sich aber eine Region aussuchen, die sich zusätzlich in ihren Ressourcen unterscheiden. Saftiges Land hat beispielsweise viel Wasser zu bieten, kann dafür aber kaum Kohle – oder Ölvorkommen aufbringen. Es ist somit wichtig, gut abzuwägen in welche kommerzielle Richtung eure Stadt gehen soll.

Nach den ersten Entscheidungen geht es dann auch schon auf die Karte und eines fällt sofort ins Auge, nämlich die sehr knapp bemessene Baufläche. Gut ja, Entwickler Maxis betonte zwar immer wieder dass es nicht um Größe im neuen SimCity geht, sondern um Management einer florierenden Stadt. Aber das ändert nichts an der Tatsache das ihr schnell die Grenzen des Landes erreicht habt. Im Gegensatz zu SimCity 4 steigt die Lernkurve in der Neuauflage nämlich viel gemütlicher an. Schulen, Feuerwehr oder Polizei können ziemlich flott gebaut werden, selbst höhere Einrichtungen sind am Anfang einer Stadt kein Problem. Als Spieler muss man sich schon richtig anstrengen um überhaupt ins Minus zu rutschen, insbesondere da Zonen keine einzige Simoleon kostet. Später kann es zwar mal passieren das einige Betriebskosten an eurem Budget etwas mehr knabbern, doch die Balance ist immer so ausgerichtet das jede Zone ein Plus gibt, sobald die nötigsten Bedürfnisse erfüllt sind.

Back to the Streets

Das Baugefühl von SimCity ist trotz des leichteren Einstiegs unübertroffen. Es ist einfach toll zu beobachten wie die Gebiete in die Höhe steigen und die Einzugswagen hin und herfahren. Allerdings funktioniert das System der Expansion anders als gewohnt. Nun läuft alles über Straßen und das ist sogar bildlich gemeint. Für einen Wasserturm müssen z.B. keine separaten Rohre mehr verlegt werden, das kühle Nass wird einfach an den Rand einer Straße geflanscht (mit Wasservorkommen natürlich) und schon bekommt jede Zone eine Wasserversorgung. Das ganze trifft übrigens auch auf Strom oder Müll zu, entsprechend fällt das gesamte Mikromanagement des vierten Ablegers zum großen Teil weg. Selbst Einzugsgebiete müssen nicht mehr beachtet werden, so kann eine Schule fasst überall platziert sein, anschließend baut man einfach weitere Klassenzimmer hinzu und stellt zusätzliche Schulbusse zur Verfügung. Nach diesem Schema wird im neuen SimCity jedes Dienst und Versorgungsgebäude ausgebaut. Zwischendurch kann das strikte Straßenkonzept aber auch nerven, besonders dann wenn eine größere Zone erstellt wurde, dort kann an freien stellen Abseits des Asphalts partout nichts gebaut werden. Parks müssen beispielsweise immer an Straßen liegen und können somit nie zentral angelegt sein und auch Dienstgebäude können ihre Erweiterungen nur über Straßen nutzen. Blöd wird es spätestens dann, wenn ein Ausbau kein Platz findet, alternativ könnte auch ein Gebäude weichen, aber muss das unbedingt sein? Warum kann eine Finanzabteilung nicht einfach hinter dem Gemeindeamt stehen? Ohne Straße wäre genug Platz, allerdings bleibt das Spiel in diesem Bereich absolut stur, zum verrückt werden. Für Puristen sind diese Entscheidungen trotzdem schon zu einfach, wer aber schnell Erfolg sehen möchte und nicht ewig an Zahlen und Einzugskreisen herumfummeln will, der dürfte mit dem neuen System große Freude haben.

Generell merkt man diesem SimCity an, dass es dem Spieler unkomplizierten Spaß bringen soll. Denn trotz zig Statistiken in stilsicherer Optik, ist das Spiel meilenweit von einer harten Simulation entfernt, an ein Anno 2070 kommt das simlische Bauvergnügen sowieso nicht heran. Macht aber nichts, vielen war SimCity 4 ohnehin zu schwer und nicht jeder blickt hinter den Algorithmus welcher ausgehebelt werden kann. Auf diese Weise kommen auch Gelegenheitsspieler in den Genuss großer Metropolen mit Wolkenkratzer. Ein wenig mehr Herausforderung hätte dem Städtesimulator trotzdem gut getan. Denn sind die Kartengrenzen erstmal erreicht und eure Zonen boomen von allein, gibt es immer weniger zu tun. Zwar stehen dann noch Großprojekte wie der Bau eines Space-Centers oder eines Flughafens zur Verfügung, allerdings benötigt man dafür Unmengen an Moneten und ohnehin, allein sind die speziellen Gebäude kaum zu bewältigen. Ist also nicht gerade ein großzügiger Nachbar in der Nähe, bleibt das große Vorhaben trotz vermeintlich wichtiger Online-Anbindung unerfüllt. Hierbei können auch die gelegentlichen Missionen der Sims nicht hinwegtäuschen das eine sporadische Kampagne oder Szenarien nett gewesen wären.

Statistische Baustellen

Kaum ein SimCity-Ableger konnte so gut eine Übersicht gewährleisten wie dieser hier. In der Neuauflage spendiert uns Maxis verständliche Balken, Grafiken und Zahlen. Jede einzelne Statistik wird direkt an der betroffenen Zone angezeigt und ist somit wunderbar nachvollziehbar. Wenn da nicht immer wieder Ungereimtheiten auftauchen würden, denn die ganzen Anzeigen stellen sich zuweilen als ziemliche Baustelle dar.

Wird beispielsweise ein Bedürfnis nicht erfüllt, dann ist nicht immer klar warum. So zeigt ein Wohngebiet Ausbaukapazität an, will aber trotz aller Einrichtungen nicht expandieren. Ihr habt eine Müllentsorgung mit überdurchschnittlicher Leistung? Trotzdem sagt euch das Spiel, dass die Stadt zum Himmel stinkt und mehr Halden gebaut werden sollen. Das Problem ist einfach, die Zahlen kommen nicht richtig mit wenn die Simulation ein Ereignis berechnet. Zwischen dem was in der Metropole passiert und dem was die Statistiken ausspucken, klafft immer wieder mal eine große Lücke.

Schicker Wuselfaktor

In technischer Hinsicht ist SimCity eine wahre Augenweide. Unabhängig davon das nun alles in 3D erstrahlt und bis in den letzten Winkel hineingezoomt werden kann, es ist vor allem das knuffige und auch witzige Art-Design, welches einfach charmant daherkommt und zum zugucken einlädt. Außerdem bekommt man als Beobachter viele neue Animationen zu sehen. Unter anderem wenn die Polizei auf Verbrecherjagd geht und es dabei zum Schusswechsel kommt, oder wenn plötzlich Zombies die Bewohner um die Häuserblocks hetzen. Solche Details sind zwar unwichtig für die Spielbarkeit, aber schließlich möchte ein angehender Bürgermeister genau diese Verspieltheit sehen.

Auch beim Sound hat Entwickler Maxis alles richtig gemacht. Feuerwehr, Polizei oder Krankenwagen klingen schön dynamisch und auch die Sims brabbeln fröhlich ihre eigene Sprache. Zudem ertönt die Hintergrundmusik angenehm dezent und richtet sich sogar an bestimmte Ereignisse. Nettes Technik-Gimmick noch am Rande: In den Optionen gibt es zusätzliche Grafikfilter wie Noir oder Retro, zwischendurch sehen diese Filter richtig gut aus und für Videos dürfte das Feature auch Sinn machen.

Fazit:

Mir stellte sich während des Tests immer wieder die Frage: Wie viel ursprüngliches SimCity steckt noch in diesem Teil? Antwort: Nicht genug um wirklich das alte Gefühl zu bekommen. Klar, dass Spielprinzip funktioniert nach wie vor super und man ist stolz auf seine Stadt wenn sie mal rund läuft. Dennoch nagt die moderne Zeit am Spiel, alles muss hübscher, besser und sozialer sein. Wohl aber nicht fordernder, motivierender und vor allem größer. SimCity wird leider durch die Modernisierung oft ausgebremst, dass Gefühl das noch mehr drin gewesen wäre kommt beim spielen immer wieder auf. Da kann auch die tolle GlassBox Engine mit ihren vielen Details nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses SimCity mehr für Einsteiger als für alte Hasen gedacht ist.

Empfehlung gibt es trotzdem, auch wenn man noch etwas warten sollte bis die Server endgültig stabil laufen und der Preis etwas runter geht. Denn von den Problemen mal abgesehen, funktioniert neben Anno 2070 kein zeitgemäßes Aufbauspiel so gut wie das neue SimCity, sofern man bereit ist Kompromisse einzugehen.

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